Offenes Lernen heißt nicht weniger Struktur – das zeigt das Churermodell

Churermodell: Offenes Lernen verändert Klassenraum und Unterricht (© conceptk)
 
Wer zum ersten Mal von einer Schule nach dem Churermodell hört, denkt oft zuerst an eines: Keine festen Klassenräume mehr. Doch dieser äußere Eindruck greift zu kurz. Der Klassenraum bleibt, er wird nur anders organisiert, in Zonen für unterschiedliche Tätigkeiten statt in Reihen mit Blick zur Tafel. Offenes Lernen im Churermodell ist kein Verzicht auf Struktur, sondern eine bewusst andere Form davon – durchdacht, begleitet und pädagogisch fundiert.

Mehr Offenheit heißt nicht weniger Führung

Ein weit verbreitetes Missverständnis lautet, offenes Lernen bedeute weniger Anleitung durch Lehrkräfte. Das Gegenteil ist der Fall. “Die Lehrperson ist im Churermodell genauso präsent wie im klassischen Unterricht, nur anders”, erklärt Susanne Lohstöter, die beim Planungsbüro conceptk als Sachverständige für Bildungslandschaften und Förderpädagogik Schulen bei der Umsetzung begleitet. “Die Rolle verschiebt sich von der reinen Wissensvermittlung hin zur individuellen Begleitung jedes einzelnen Kindes.” Diese Begleitung erfordert sogar ein höheres Maß an pädagogischer Aufmerksamkeit, da Lernwege im offenen Setting stärker individualisiert verlaufen als im klassischen Frontalunterricht.

Der Raum als Lernpartner

Im Churermodell wird der physische Raum bewusst als Teil des pädagogischen Konzepts verstanden. Unterschiedliche Lernzonen – für konzentriertes Arbeiten, für Gruppenarbeit, für Bewegung – ersetzen das starre Bild des Klassenzimmers mit Frontalausrichtung. “Kinder lernen sehr unterschiedlich gut an unterschiedlichen Orten”, so Lohstöter. “Diese Vielfalt an Räumen gibt ihnen die Möglichkeit, den für sie passenden Lernort selbst zu finden.”

Diese Raumgestaltung ist kein Selbstzweck, sondern das Ergebnis intensiver pädagogischer Überlegungen und einer partizipativen Raumgestaltung. Kinder, Lehrkräfte und Eltern werden in die Gestaltung der Lernumgebung einbezogen.

Selbstständigkeit als erlernbare Fähigkeit

Ein zentrales Ziel des Churermodells ist es, Kindern frühzeitig Selbstorganisation beizubringen, etwa durch Wochenpläne, die eigenständig bearbeitet werden. Diese Selbstständigkeit entsteht jedoch nicht von allein, sondern wird gezielt aufgebaut. “Kinder werden Schritt für Schritt dabei begleitet, Verantwortung für den eigenen Lernprozess zu übernehmen”, erläutert Lohstöter. “Das ist eine Fähigkeit, die weit über die Schulzeit hinaus trägt.”

Struktur, die Freiheit ermöglicht

Diese Prinzipien enden nicht mit dem Unterricht. Auch im Ganztag lassen sich zonierte Räume und individuelle Lernwege konsequent fortführen. Am Ende zeigt sich, der neu organisierte Klassenraum ist kein Symbol für weniger Struktur, sondern für eine Schule, die Lernen als individuellen, begleiteten Prozess versteht. Und genau darin liegt die eigentliche Stärke des Churermodells.

Über conceptk:

conceptk GmbH ist eine interdisziplinäre Beratungsagentur, die nutzerzentrierte Raum- und Nutzungskonzepte für Schulen und Verwaltungen entwickelt. Bereits in der Leistungsphase 0 führen wir umfassende Machbarkeitsstudien durch, um die Grundlage für zukunftsfähige Lern- und Arbeitswelten zu schaffen. Unser Team aus Pädagogen und Architekten arbeitet eng zusammen, um sowohl Konzepte der Pädagogischen Architektur als auch innovative New-Work-Welten zu realisieren. Im Rahmen dieser Studien erarbeiten wir die notwendigen Daten durch Bedarfsermittlung, Flächenoptimierung und Bestandsanalyse. So stellen wir sicher, dass unsere Konzepte die Themen Bildung, New Work, Inklusion und Digitalisierung optimal berücksichtigen.

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