Räume, die mitdenken – wie das Churermodell Schulen verändert

Der grüne Rundtisch wird zum zentralen Ort für gemeinsames Lernen im Klassenzimmer. (© conceptk)
 
Klassenzimmer, in denen Schülerinnen und Schüler frei wählen, wo und wie sie lernen, das ist die Idee hinter dem Churermodell, einem pädagogischen Raumkonzept, das an immer mehr Schulen Einzug hält. Auch das Planungsbüro conceptk beschäftigt sich intensiv mit dem Ansatz. Susanne Lohstöter, Expertin bei conceptk, hat sich zuletzt bei einer Fortbildung von Reto Thöny, einem der maßgeblichen Initiatoren des Modells, vertieft mit dessen Umsetzung auseinandergesetzt.

Im Zentrum des Churermodells stehen vier Elemente: Die Zonierung des Klassenraums nach unterschiedlichen Tätigkeiten, kurze gemeinsame Inputphasen im Kreis, das Lernen an differenzierten Lernaufgaben sowie die freie Wahl des Arbeitsplatzes. Ergänzt wird dieser Ansatz durch transparente Lernziele, regelmäßige Lernreflexion und eine Lernkultur, die Vielfalt als Stärke begreift. Lehrkräfte übernehmen dabei zunehmend die Rolle von Lernbegleiterinnen und Lernbegleitern, die individuelle Lernprozesse unterstützen statt frontal zu unterrichten.

Pädagogik braucht passende Räume

“_Neue Lernformen benötigen neue Lernumgebungen_”, sagt Susanne Lohstöter. Statt ausschließlich in klassischen Klassenräumen zu denken, gehe es darum, Lernorte nach Tätigkeiten zu gestalten. Wo wird konzentriert gearbeitet, wo findet Austausch statt, welche Bereiche eignen sich für Rückzug oder Präsentationen und wie lassen sich auch Flure und Differenzierungsflächen als Lernorte nutzen.

Bestand intelligent weiterentwickeln

Ein Umbau nach dem Churermodell erfordert dabei keineswegs immer einen Neubau. Häufig lassen sich bereits durch veränderte Raumnutzung, gezielte Umzüge einzelner Funktionen, die Aktivierung vorhandener Flächen oder kleinere bauliche Maßnahmen spürbare Verbesserungen erzielen. “_Genau hier setzen wir an_”, sagt Lohstöter. “_Gemeinsam mit der jeweiligen Schulfamilie analysieren wir die pädagogischen Ziele und entwickeln daraus individuelle Raum-, Farb- und Ausstattungskonzepte – in Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern, die die Umsetzung planerisch und gestalterisch begleiten._”

Lernräume für den ganzen Tag

Die Prinzipien lassen sich nach Angaben von Lohstöter nicht nur auf den Unterricht, sondern auch auf den Ganztagsbetrieb übertragen. Flexible Möblierung und klar zonierte Räume ermöglichen eine gemeinsame Nutzung am Vor- und Nachmittag, und damit Lern- und Lebensräume, die Konzentration, Zusammenarbeit, Bewegung und Rückzug gleichermaßen ermöglichen.

Vom Lernkonzept zum Raum

“_Das Churermodell beginnt nicht mit Möbeln, sondern mit der Frage, wie Lernen künftig gelingen soll_”, fasst Susanne Lohstöter zusammen. Erst wenn pädagogische Ziele klar definiert seien, könnten Räume entstehen, die diese wirksam unterstützten.

Über conceptk

conceptk GmbH ist eine interdisziplinäre Beratungsagentur, die nutzerzentrierte Raum- und Nutzungskonzepte für Schulen und Verwaltungen entwickelt. Bereits in der Leistungsphase 0 führen wir umfassende Machbarkeitsstudien durch, um die Grundlage für zukunftsfähige Lern- und Arbeitswelten zu schaffen. Unser Team aus Pädagogen und Architekten arbeitet eng zusammen, um sowohl Konzepte der Pädagogischen Architektur als auch innovative New-Work-Welten zu realisieren. Im Rahmen dieser Studien erarbeiten wir die notwendigen Daten durch Bedarfsermittlung, Flächenoptimierung und Bestandsanalyse. So stellen wir sicher, dass unsere Konzepte die Themen Bildung, New Work, Inklusion und Digitalisierung optimal berücksichtigen.

Zur Website von conceptk: https://conceptk.org/