PISA 2025: Lesekompetenz lässt sich trainieren – auch bei älteren Jugendlichen & Erwachsenen

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15 Kurse, zehn Schulen, 272 Schülerinnen und Schüler: Ein von der Erhard Höpfner Stiftung geförderter und extern evaluierter Schulversuch mit Improved Reading zeigte bereits vor rund 20 Jahren, dass sich Lesetempo, Textverständnis und Leseeffizienz auch bei älteren Jugendlichen deutlich steigern lassen. Angesichts der (verheerenden) aktuellen PISA-2025-Ergebnisse gewinnt der damalige Versuch neue Aktualität.

Berlin, Oktober 2026. Die aktuellen PISA-Ergebnisse geben erneut Anlass zur Sorge um die Lesekompetenz junger Menschen. Nach Angaben der OECD erreichten die Leistungen deutscher Schüler/innen 2025 in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften die niedrigsten Werte seit Beginn der PISA-Erhebungen. Beim Lesen erreichten in Deutschland nur 68 Prozent der 15-Jährigen mindestens Kompetenzstufe 2.

Dabei stellt sich nicht nur die Frage, wie Kinder möglichst früh lesen lernen. Mindestens ebenso wichtig ist, ob und wie sich die Lesekompetenz bei älteren Schüler/innen noch gezielt verbessern lässt.

Genau dieser Frage ging ein mehrjähriger Berliner Schulversuch nach, den die Erhard Höpfner Stiftung zwischen 2003 und 2006 förderte. Improved Reading führte dabei 15 zweitägige Lesetrainings an zehn Berliner Schulen mit insgesamt 272 Schüler/innen durch. Beteiligt waren sieben Gymnasien, zwei Realschulen und eine Freie Waldorfschule; 38 Prozent der Teilnehmenden kamen aus 10. Klassen, 62 Prozent aus der Oberstufe. Drei der Kurse wurden auf Englisch durchgeführt.

Gerade dieser Altersbereich macht das Projekt heute besonders interessant. Die Teilnehmenden waren keine Leseanfänger/innen mehr, sondern Jugendliche kurz vor Abitur, Ausbildung oder Studium. Der damalige Evaluator Prof. Dr. Thomas Rathmann beschrieb das Projekt ausdrücklich als Lesetraining für die Sekundarstufe II und die 10. Klassen. Seine Schlussfolgerung lautete: Der Erwerb von Lesekompetenz kann auch in der Oberstufe gezielt gefördert werden.

Lesetempo verdreifacht, Verständnis verbessert

Die Ergebnisse des Schulversuchs waren deutlich. Die durchschnittliche Lesegeschwindigkeit lag zu Beginn bei etwa 200 Wörtern pro Minute. Im Verlauf der Kurse wurde das Lesetempo im Durchschnitt verdreifacht; zugleich stieg das Textverständnis. Daraus ergab sich eine durchschnittliche Steigerung der sogenannten Effective Reading Rate (ERR) ” also der Kombination aus Lesegeschwindigkeit und Verständnis ” um den Faktor 3,7.

Bemerkenswert war außerdem, dass sich nicht nur bereits gute Leser verbesserten (wie so oft bei mehr motivatorisch angelegten Leseförderungsprogrammen). Die schwächeren Teilnehmenden profitierten sogar überproportional: Während die stärksten 25 Prozent ihre Leseeffizienz im Durchschnitt um den Faktor 2,7 steigerten, erreichten die schwächsten 25 Prozent einen Verbesserungsfaktor von 5,5.

Die Ergebnisse lagen in 10 von 15 Kursen sogar über den durchschnittlichen Verbesserungen, die Improved Reading damals bei überwiegend älteren Teilnehmenden in Hochschulen und Unternehmen erzielte.

Leseförderung endet nicht in der Grundschule

Der Schulversuch zeigt damit einen Punkt, der in der öffentlichen Diskussion häufig zu kurz kommt: Lesekompetenz ist keine Fähigkeit, die nach der Grundschule abgeschlossen ist.

Viele Jugendliche lesen zwar flüssig, nutzen aber weiterhin ineffiziente Lesemuster ” etwa Wort-für-Wort-Lesen, unnötige Rücksprünge im Text oder eine zu geringe Anpassung des Lesetempos an Aufgabe und Schwierigkeitsgrad. Das Training setzte deshalb gezielt bei Blickprozessen und Lesestrategien an, so dass Konzentration, Motivation, Verständnis und Geschwindigkeit gleichermaßen erhöht wurden.

Damit liegt zwischen schulischer Leseförderung und Erwachsenenbildung ein fließender Übergang. Jugendliche der 10. Klasse und der Oberstufe stehen bereits unmittelbar vor Situationen, in denen hohe Lesekompetenz vorausgesetzt wird: Studium, Ausbildung und berufliche Weiterbildung.

Schon der damalige Evaluationsbericht stellte ausdrücklich fest, dass die Leseförderung in der Sekundarstufe II kaum weniger notwendig sei als bei den von PISA getesteten 15-Jährigen.

Zwei Tage ersetzen keine Bildungspolitik

Improved Reading betont zugleich, dass ein zweitägiges Training keine langfristige Bildungspolitik ersetzen kann. Auch der Evaluationsbericht warnte davor, von zwei Trainingstagen “Wunder” zu erwarten. Entscheidend sei, die erworbenen Techniken anschließend weiter anzuwenden und zu üben.

Die damaligen Ergebnisse zeigen jedoch, dass auch kurze, intensive Trainings deutliche Impulse geben können. Über 70 Prozent der Bewertungen in zehn abgefragten Kategorien lagen im Bereich “exzellent” oder “sehr gut”, hinzu kamen sehr positive Rückmeldungen der begleitenden Lehrer.

Ein Lehrerbericht aus dem Projekt beschreibt, dass selbst über zwei intensive Kurstage hinweg hohe Aufmerksamkeit und Mitarbeit zu beobachten waren. Auch der Umstand, dass die Kurse mit externen Trainern außerhalb des regulären Schulbetriebs umgesetzt wurden, trug zum Interesse und zur Wertschätzung der Teilnehmenden bei.

Von der Schule zur Erwachsenenbildung

Für Improved Reading ist der damalige Schulversuch auch deshalb relevant, weil die Organisation heute überwiegend mit Erwachsenen arbeitet ” unter anderem mit Unternehmen, Verwaltungen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen.

Die Grundfrage ist jedoch dieselbe geblieben: Wie können Menschen, die längst lesen können, lernen, Texte effizienter, konzentrierter und mit mehr Verständnis aufzunehmen?

Gerade die damalige Arbeit mit älteren Jugendlichen zeigt, dass Lesetechnik nicht nur ein schulisches Basisthema ist, sondern eine Kompetenz, die bis in Studium und Beruf hinein weiterentwickelt werden kann.

PISA 2025 macht das Thema erneut dringlich

Die OECD berichtet für PISA 2025 von einem deutlichen Rückgang der Lesekompetenz im gesamten OECD-Raum. Zwischen 2015 und 2025 sank der durchschnittliche Lesewert um 28 Punkte ” laut OECD entspricht dies ungefähr anderthalb Schuljahren.

Damit stellt sich erneut die Frage, wie Lesekompetenz nicht nur diagnostiziert, sondern konkret verbessert werden kann.

Der Berliner Schulversuch zeigt zumindest einen möglichen Ansatz: systematisches Lesetraining, das über klassische Leseförderung hinausgeht und auch ältere Jugendliche sowie junge Erwachsene erreicht.

Weitere Informationen:
Improved Reading
Kaldenkirchener Straße 25
41063 Mönchengladbach
www.improved-reading.de