
Gebaut für den Unterricht von gestern
Lange Flure, gleich große Klassenzimmer, Tische in Reihen ausgerichtet auf die Tafel. Viele Schulgebäude sind für einen Unterricht gebaut, der mit dem heutigen Schulalltag immer weniger zu tun hat. Lernende arbeiten zunehmend in Gruppen, in unterschiedlichem Tempo und an eigenen Aufgaben. Lehrkräfte verstehen sich stärker als Lernbegleiter. Hinzu kommen Inklusion, Ganztag und Digitalisierung. All das stellt neue Anforderungen an die Räume, in denen Bildung stattfindet.
Der Raum als “dritter Pädagoge”
In der Schule gilt der Raum seit Langem als “dritter Pädagoge” – neben den Lehrkräften und den Mitlernenden. Gemeint ist, Räume beeinflussen, wie Menschen miteinander umgehen, wie konzentriert sie arbeiten und wie selbstständig sie lernen können. Ein Klassenzimmer, das nur frontalen Unterricht zulässt, macht offene Lernformen schwer. Ein Raum mit unterschiedlichen Zonen für Input, Stillarbeit und Austausch dagegen unterstützt sie.
“Wer Schule baut, gestaltet Lernkultur”, sagt Susanne Lohstöter, pädagogische Beraterin und Sachverständige für Bildungslandschaften. “Pädagogik und Architektur dürfen deshalb nicht nacheinander gedacht werden. Sie müssen von Anfang an miteinander im Gespräch sein.”
Von der Flurschule zur Lernlandschaft
Neue Schulbauten setzen deshalb zunehmend auf flexible Raumkonzepte. Lerncluster, in denen mehrere Unterrichtsräume mit gemeinsamen Flächen verbunden sind, offene Lernlandschaften oder multifunktionale Bereiche, die sich je nach Bedarf umgestalten lassen. Doch nicht jede Schule wird neu gebaut. Gerade im Bestand zeigt sich, dass auch innerhalb bestehender Klassenzimmer viel möglich ist.
Ein Beispiel dafür ist das Churermodell, das conceptk in Schulen begleitet. Der Ansatz verbindet Unterrichtsorganisation und Raumgestaltung. Statt fester Sitzordnung gibt es unterschiedliche Lernbereiche, kurze gemeinsame Inputphasen und viel Zeit für individuelles Arbeiten. Die Lernenden wählen ihren Arbeitsplatz selbst – je nachdem, ob sie Ruhe brauchen oder mit anderen zusammenarbeiten möchten.
Beteiligung als Erfolgsfaktor
Ob ein Raumkonzept im Alltag funktioniert, hängt nicht nur vom Entwurf ab. Entscheidend ist, dass diejenigen, die später darin lehren und lernen, frühzeitig in die Planung eingebunden werden. Schulleitungen, Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler bringen Wissen über Abläufe und Bedürfnisse mit, das in keinem Raumprogramm steht.
“Ein Schulgebäude prägt über Jahrzehnte, wie gelehrt und gelernt wird”, betont Susanne Lohstöter, die Schulen auch bei der Nutzerbeteiligung begleitet. “Deshalb lohnt es sich, Zeit in eine gemeinsame Planungsphase zu investieren. Fehlentscheidungen lassen sich später nur mit großem Aufwand korrigieren.”
Austausch über Disziplinen hinweg
Genau diesen Dialog will das Bausymposium fördern. Angesprochen sind Architektinnen, Architekten und Planende ebenso wie Schulbehörden und Bauämter von Gemeinden, Kantonen und Ländern, Schulleitungen und Lehrpersonen sowie Studierende aus Architektur und Planung. Zu den Referierenden zählen unter anderem Christian Auerbach, Barbara Pampe, Andrea Gonzales, Anja Schmitz, Claudia Hug, Heiko Schöfer, Hemma Fasch, Joel Luc Cachelin, Juho Grönholm, Julian Weyer und Thomas Fischer.
Programm und Anmeldung: gbssg.ch/weiterbildung/bau/bausymposium
Gute Schulräume entstehen im Dialog
Gute Schulräume entstehen nicht am Reißbrett allein. Sie sind das Ergebnis eines Dialogs zwischen denen, die planen, denen, die entscheiden, und denen, die täglich darin lernen. Wo dieser Dialog gelingt, wird der Raum vom bloßen Rahmen zum aktiven Teil guter Pädagogik.
Über conceptk
conceptk GmbH ist eine interdisziplinäre Beratungsagentur, die nutzerzentrierte Raum- und Nutzungskonzepte für Schulen und Verwaltungen entwickelt. Bereits in der Leistungsphase 0 führen wir umfassende Machbarkeitsstudien durch, um die Grundlage für zukunftsfähige Lern- und Arbeitswelten zu schaffen. Unser Team aus Pädagogen und Architekten arbeitet eng zusammen, um sowohl Konzepte der Pädagogischen Architektur als auch innovative New-Work-Welten zu realisieren. Im Rahmen dieser Studien erarbeiten wir die notwendigen Daten durch Bedarfsermittlung, Flächenoptimierung und Bestandsanalyse. So stellen wir sicher, dass unsere Konzepte die Themen Bildung, New Work, Inklusion und Digitalisierung optimal berücksichtigen.