
FineArts3D baut auf dem weltweit ersten autonomen High-End-Digitalisierungssystem „CultArm3D“ auf, das aus der langjährigen Forschung des Fraunhofer IGD hervorgegangen und gemeinsam mit Verus Digital zur Marktreife gebracht wurde.
Da herkömmliche Scanner diese Objekte nicht erreichen können oder gar eine manuelle, risikobehaftete Aufnahme erfordern würden, setzt hier das Gemeinschafts-Projekt FineArts3D an, um entsprechend Abhilfe zu schaffen. Somit soll eine qualitätsgesicherte 3D-Digitalisierung gerade dort möglich werden, wo bisherige Systeme an ihre technischen bzw. konservatorischen Limitationen stoßen.
Das Land Hessen unterstützt diese technologische Weiterentwicklung mit rund einer halben Million Euro im Rahmen des bundesweit einmaligen Forschungsförderungsprogramms, genannt LOEWE Förderlinie 3. Der Zuwendungsvertrag für FineArts3D, überreicht durch Hessens Wissenschaftsminister Timon Gremmels, ging an das Konsortium, bestehend aus dem Fraunhofer IGD und der Verus Digital, unter Leitung der Verus Digital GmbH aus Darmstadt.
„Mit FineArts3D erweitern wir unser autonomes 3D Digitalisierungssystem gezielt für besonders anspruchsvolle Kunstwerke wie großformatige und unbewegliche Gemälde. Unser Ziel ist es, Museen weltweit eine sichere, effiziente und qualitativ herausragende Möglichkeit zur Digitalisierung ihres Bestands zu bieten – ohne konservatorische Risiken und ohne aufwendige Nachbearbeitung“, erklärte Matevz Domajnko, Geschäftsführer der Verus Digital GmbH, im Rahmen der offiziellen Übergabe des Zuwendungsvertrages.
Das Konsortium entwickelt das FineArts3D nun mit finanzieller Unterstützung des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur konsequent weiter und ergänzt es um folgende zentrale technologische Innovationen:
– Photometrisches Stereo zur Rekonstruktion mikroskopischer Oberflächenstrukturen (Risse, Impasto, Holzmaserungen, Retuschen)
– Multispektrale Bildgebung zur Analyse von Pigmenten, restauratorischen Eingriffen und Alterungsprozessen
– Farbkalibrierte Hochpräzisionsaufnahmen gemäß internationalen Standards
– Vollautomatisierter Scanablauf, der ohne manuelle Nachbearbeitung hochqualitative 3D Modelle erzeugt
– Berührungsfreie und konservatorisch sichere Erfassung, um Risiken für empfindliche Kulturgüter auszuschließen
Damit schafft das Projekt FineArts3D eine bislang nicht verfügbare Kombination aus Detailtreue, Geschwindigkeit, Oberflächengenauigkeit und digitaler Farbstabilität.
Dr. Matthias Unbescheiden, Institutsleiter des Fraunhofer IGD, ergänzt: „FineArts3D zeigt eindrucksvoll, wie angewandte Forschung direkt in praxisreife Lösungen überführt wird. Mit modernsten Verfahren zur 3D Erfassung und multispektralen Analyse können wir Museen eine nie dagewesene Genauigkeit der Digitalisierung, bei gleichzeitiger schonender Behandlung der Originale bieten. Die enge Zusammenarbeit mit Verus Digital ermöglicht es, die digitale Kulturerbe-Dokumentation auf ein völlig neues Level zu heben.“
Wissenschaftsminister Timon Gremmels betont bei der Übergabe: „Mit FineArts3D fördern wir ein Projekt, das technologische Spitzenforschung mit dem Schutz und der Zugänglichkeit unseres kulturellen Erbes verbindet. Die Verbindung von autonomer 3D Digitalisierung und innovativen bildgebenden Verfahren zeigt, wie leistungsfähig der Wissens und Innovationsstandort Hessen ist. Genau solche Kooperationen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft stehen im Fokus der LOEWE Förderlinie 3.“
Darüber hinaus können die Forscher aus Darmstadt auf starke Partnerschaften, die den Technologietransfer mit unterstützen, zurückgreifen. Das Hessische Landesmuseum Darmstadt sowie die UNESCO Welterbestätte Mathildenhöhe stellen Werke für Testscans zur Verfügung. Des Weiteren begleiten internationale Spitzeninstitutionen das Projekt beratend, wie z. B. das Museum of Modern Art (MoMA), New York, das Los Angeles County Museum of Art (LACMA) sowie weitere international renommierte Institutionen und Forschungseinrichtungen.
Damit fließen globale museumstechnische Anforderungen direkt in eine technologische Entwicklung – für praxisrelevante Anforderungen und Ergebnisse – ein.
Weitere Informationen unter: https://verus.digital/