
Initiiert wurde die Wortwahl von Eva List, Texterin, Speakerin und Initiatorin des Mental-Media-Scores, eines Projekts zur bewussteren Wahrnehmung der Wirkung von Sprache und Medieninhalten. Ziel der offenen Wortsammlung war es, Begriffe zu finden, die das gesellschaftliche Zeitgefühl des Jahres 2025 präziser beschreiben als klassische Schlagzeilen.
Die Zuversicht wird zum Mutausbruch
Die eingereichten Wörter spiegelten eine große thematische Bandbreite wider – von werteorientierten Begriffen wie _Zivilcourage_, _Zusammenhalt_, _Selbstfürsorge_ oder _Verantwortung_ bis hin zu poetischen Wortbildern wie _Marmeladenglasmomente_, _Seelenflugweite_ oder _Honigkuchenpferd_. Am Ende kristallisierten sich drei Begriffe heraus, die besonders häufig genannt wurden: Zuversicht, Beziehungsverstand und Mutausbruch.
Durchgesetzt hat sich schließlich der Mutausbruch. Nicht als Gegenpol zur Zuversicht, sondern als bewusste Weiterentwicklung. „Zuversicht ist ein wichtiges Wort, aber aktuell oft sehr abstrakt“, sagt Eva List. „Es beschreibt eher einen Zustand. Der Mutausbruch dagegen beschreibt einen Prozess. Er irritiert, bleibt hängen und steht für Bewegung.“
Während Wut schnell, laut und medial leicht darstellbar sei, brauche Mut Zeit. Ein Mutausbruch sei kein spontanes Ereignis, sondern eher ein Anlauf – ein Schritt zurück, um Kraft zu sammeln und gemeinsam nach vorn zu gehen. Genau darin liege seine Stärke.
Mut ist eine grüne Hummel
Begleitend zur Wortwahl führte Eva List eine Community-Befragung durch, um Mut über Bilder, Farben und Klänge greifbar zu machen. Mut wurde überwiegend mit den Farben Grün, Gelb, Orange und Lila assoziiert, musikalisch eher in Dur als in Moll verortet und in seiner Lautstärke als mittel bis leise beschrieben – jedoch „auf keinen Fall stumm“. Besonders häufig genannt wurde dabei die Hummel als Sinnbild für Mut: ein Wesen, das rein physikalisch eigentlich nicht fliegen dürfte – und es trotzdem tut.
Der Mutausbruch wird als langfristige Bewegung verstanden. 2025 gilt als Jahr des Anlaufs, 2026 als der Moment, in dem Mut sichtbarer werden kann. Es braucht keine großen Einzeltaten. Wir brauchen viele kleine, bewusste Entscheidungen im Alltag.
Jeder kann einen Mutausbruch starten
Zum Abschluss verweist Eva List auf den Begriff Initium, geprägt von der politischen Theoretikerin Hannah Arendt. Sie beschreibt den Menschen als Anfangswesen, das jederzeit die Initiative ergreifen und Neues in Bewegung setzen kann.
„Der Mutausbruch ist kein Aufschrei“, so Eva List. „Er ist das leise, beharrliche Wunder, das entsteht, wenn viele ihren eigenen Anfang ernst nehmen.“